Chronik

Zuletzt aktualisiert am: Mittwoch, 07. Januar 2015 01:07

 -Kurzfassung- Quelle: Festschrift zum 150jährigen Jubiläum 1996

Verfasser: Franz Eberz

In Deutschland bestand in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts kein verbürgtes Recht sich zu versammeln oder Vereine zu gründen. So wurde durch Erlass vom 4.11.1819 der großherzogisch hessischen Regierung in Darmstadt alle bis dahin bestehenden "Turnanstalten" aufgelöst, von denen die Obrigkeit vermutete, dass sie sich politisch betätigten. Friedrich Wilhelm II.

Mehr als zwanzig Jahre später, am 6.6.1842, erfolgte mit Kabinettorder von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen die Aufhebung der "Turnsperre", was in Sachsen und im Südwesten Deutschlands zur Gründung von Turnvereinen wie z. B. 1845 in Hochheim/Main, 1846 in Biebrich, Weisenau, Wiesbaden, Bretzenheim, Erbenheim und Kastel führte. Zu den Gründern der "Kasteler Demokratischen Turngemeinde" gehörte eine Vielzahl von Demokraten. Am Ende des Gründungsjahres zählte die Turngemeinde die stattliche Zahl von 400 Mitgliedern. Die Turngemeinden führten mit in erster Linie den politischen Kampf um die Freiheit jener Jahre, die Turnvereine wollten zwar auch die Einheit und Freiheit von Volk und Vaterland, stellten aber das praktische Turnen oben an.

In die Sturm- und Drangperiode der 48er Jahre wurden auch viele Turnvereine hineingezogen, da die deutschen Turner vielfach an den politischen Stürmen und Wirren teilnahmen, so auch eine Turnerfreischar der Kasteler Turngemeinde. Als Folge dieser Entwicklung kam es durch Dekret der hessischen Regierung am 4.10.1850 auch zur Auflösung der Kasteler demokratischen Turngemeinde. In den folgenden 10 Jahren vollzog sich in Deutschland ein tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wechsel, der die Wiedergründung der Kasteler Turngemeinde am 11.8.1861 (Jahn's Geburtstag) ermöglichte. Im Jahr 1862 zählte die Turngemeinde bereits wieder 373 Mitglieder.

Damenturnen seit 1896Nahe der Lünette Frankfurt, heutiger Philippsring, konnte ein Turnplatz angelegt werden. 1866 wurde unter dem verdienstvollen Vorsitzenden Jakob Schick die freiwillige Turnerfeuerwehr gegründet, Vorgänger der heutigen freiwilligen Feuerwehr Kastel. In den Folgejahren bis weit über die Jahrhundertwende hinaus errangen Vereinsmitglieder auf Turnfesten große Erfolge. Am 29.9.1871 wurde das 25jährige Bestehen in schlichter Feier begangen. 1874 wurde eine Gesangsabteilung gegründet, die zu einer starken Säule des Vereins wurde. Nach ihrem letzten Auftritt anlässlich der 125-Jahr-Feier 1971 im neuen Clubheim musste sie mangels Nachwuchses aufgelöst werden. Am 11.6.1880 erhielt die Turngemeinde unter Änderung des Namens in "Kasteler Turnverein" Kooperationsrechte von Großherzog Ludwig IV. von Hessen. Im April 1887 erfolgte auf einem in der Mainzer Straße erworbenen Grundstück die Grundsteinlegung zum Bau einer Turnhalle. Streitfragen bezüglich des Baus dieser Halle unter den Mitgliedern und damit verbundener Uneinigkeit führte zu Vereinsaustritten und Gründung der Turngesellschaft Kastel 1886. Die Turnhalle wurde in den Folgejahren ausgebaut und erweitert und entwickelte sich zum Mittelpunkt des sportlichen und gesellschaftlichen Lebens, bis über Kastel am 8.9.1944 das große Verhängnis des zweiten Weltkriegs hereinbrach. Bei Fliegerangriffen wurden Turnhalle und Vereinshaus völlig zerstört. Zwischen seinem 50. Gründungsfest im Jahre 1896 und dem Beginn des ersten Weltkriegs erlebte der Turnverein eine beachtliche sportliche Blütezeit. Damenturnen wurde in den Turnplan aufgenommen und eine Riege gebildet, die auch an Turnfesten erfolgreich teilnahm. Während des Krieges wurde das turnerische Leben fast völlig lahm gelegt.

Bereits 1919 wurde jedoch wieder ein Turnfest veranstaltet. Das Jahr 1920 brachte die Gründung der Handballabteilung, die insbesondere in den Jahren 1963 bis in die 80iger Jahre sowohl auf dem Großfeld als auch in der Halle große Erfolge feiern konnte.

Der politische Umsturz 1933 griff auch tief in die Geschichte der Kasteler Vereine ein. Die im Anschluss an das deutsche Turnfest in Stuttgart, das von 45 Mitgliedern besucht wurde, durchgeführte "Gleichschaltung" der gesamten Turn- und Sportbewegung legte dem Verein weitreichende Beschränkungen auf. So erfolgte bereits 1934 der Zusammenschluss von Turngesellschaft 1886 und der Fußballvereinigung Kastel 06 unter dem Namen "Tura 1886/1906", der sich 1935 der Kasteler Fußballverein Borussia anschloss. Ein weiterer Zusammenschluss zwischen "Tura" und dem bisher noch selbstständigen Turnverein 1846 erfolgte 1939. Das neue Vereinsgebilde erhielt den Namen "Turn- und Sportgemeinschaft 1846".

Wenige Monate später brach der 2. Weltkrieg aus, der den Turn- und Spielbetrieb völlig lahm legte und den Verein durch viele gefallene und vermisste Mitglieder empfindlich traf. Einem Häuflein Unbeirrbarer Turner verdankt die TSG 1846 ihrer Wiederauferstehung aus den Trümmern Kastels.

Da nach der Kapitulation Deutschlands durch das Kontrollgesetzt Nummer 52 der Alliierten alle Vereine aufgelöst waren konnte erst nach dessen Aufhebung eine Wiedergründung erfolgen. Die Wiedergründungsversammlung fand am 29.7.1946, also 100 Jahre nach der eigentlichen Gründung, statt. Die seither zu dem Vereinsgebilde gehördenden früheren Vereine der "Tura", Fußballvereinigung Kastel 06 und Fußballverein Borussia, traten nicht mehr bei und zweigten sich als selbstständige Vereine ab.

Im Jahr 1951 wurde das 100jährige Bestehen des Vereins nachgefeiert. Nach Jahren einer gemeinsamen Wiederaufbauplanung trennten sich 1954 frühere Mitglieder der Turngesellschaft von der Gemeinschaft und riefen nach der im Gasthaus Ostend stattgefundenen Generalversammlung der TSG 1846 zur Neugründung der Turngesellschaft auf. So musste wieder eine Talsohle durchschritten werden. Die Mitglieder teilten sich in TSG und TG.

1957 entspricht der Vorstand dem Wunsch einer Gruppe Kriegsversehrter und gründet eine Versehrtensportabteilung, die sich 2007, im Jahre ihres 50jährigen Bestehens in Behinderten- und Seniorensportabteilung umbenennt und 55 Mitglieder zählt.

GründungFußballabteilungMit beispielhafter Tatkraft von Vorstand und Mitgliedschaft wurden die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt. Vordringlich ging es um die Schaffung einer neuen Heimstätte als Mittelpunkt des Vereinslebens. Da der Wiederaufbau der völlig zerstörten Turnhalle in der Mainzer Straße nicht zu verwirklichen war, entschloss man sich neben diesem Grundstück auch das Sportplatzgelände an der Steinern-Straße (heutige Wilhelm-Leuschner-Schule) zu verkaufen. Der Verein erwarb in Erbpacht von der Stadt Wiesbaden Gelände unmittelbar neben der von der Stadt geplanten neuen Bezirkssportanlage an der Jakob-Schick-Straße und erstellte dort ein neues Clubheim, das am 31.3.1968 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. In der dem Clubheim angegliederten Kleinsporthalle fand die 1962 gegründete Tischtennisabteilung, die einen kometenhaften Aufstieg bis in die Oberliga Südwest hatte, eine neue Heimstätte. Die Clubheimgaststätte stand 1969 Pate bei der Gründung der Fußballabteilung. Aus einer Freizeitmannschaft formierte sich ein Team, das den Wunsch hatte an einem regelmäßigen Spielbetrieb des hessischen Fußballverbandes teilzunehmen. Ihren bisher größten Erfolg feierte die Fußballabteilung 1997 mit der Erringung der Bezirksmeisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksoberliga Wiesbaden.

Im Jahre 1971 wurde mit glanzvollen Veranstaltungen das 125jährige Jubiläum gefeiert.

Gründung JugendfußballIm Sommer 1975 gründete die Fußballabteilung eine Jugendabteilung, die fortan durch hervorragende Arbeit und den damit verbundenen Erfolgen mit der Verleihung des Sepp-Herberger-Preises im Jahr 1995 ausgezeichnet wird. Ebenfalls 1975 erfolgte die Gründung einer Kegelsportabteilung, die ihre Wettkämpfe im rheinhessischen Raum austrägt und 1984 als Meister der zweiten Bezirksklasse in die erste Bezirksklasse aufsteigt und sich 1986 für die Kreisliga qualifiziert.

Höhepunkt in der langen Vereinsgeschichte war das 1996 begangene 150jährige Vereinsjubiläum. Gemeinsam mit den gleichaltrigen Vereinen, TV Biebrich, TV Erbenheim und TuS Eintracht Wiesbaden, lud der Verein mit der Stadt zum Festakt "150 Jahre Wiesbadener Turnvereine" in Wiesbadener Kurhaus ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten durch Roman Herzog. Den Festvortrag hielt der Präsident des deutschen Turnerbundes, Prof. Dr. Jürgen Dieckert. Grußworte sprachen Ministerpräsident Hans Eichel und Oberbürgermeister Achim Exner. Eine Vielzahl von Veranstaltungen über das ganze Jahr (u. a. Gauturnfest mit Gaukinderturnfest, Historische Ausstellung im Museum Castellum, Festabend im Bürgerhaus) brachten immer wieder dieses Ereignis in Erinnerung.

Im Jahr 2009 feierte die Fußballabteilung ihr 40-jähriges Bestehen. In einer Festwoche fanden u. a. Spiele gegen den Landesligisten Walluf und gegen die Traditionsmannschaft des SV Wehen statt. Die Jugendturniere am 1. Mai und zu Pfingsten standen ganz im Zeichen des Jubiläums. Ein Festabend im Clubheim rundete die Feierlichkeiten ab. Besonderes Geschenk des Wiesbadener Oberbürgermeisters Dr. Müller war die Ankündigung der Sanierung der beiden Kunstrasenspielfelder auf der Bezirkssportanlage. Mehr dazu unter www.fussball.tsg-kastel.de

Heute zählt der Verein rund 850 Mitglieder, von denen fast 450 Kinder und Jugendliche sind. Das Sportangebot umfasst Leichtatlethik, Turnen, Damengymnastik, Nordic Walking, Behinderten- und Seniorensport, Handball, Fußball und Kegelsport sowohl als Wettkampf- wie auch Breitensport.